Rückblick Smart Surface Summit 2026 - Geopolitik, Nachhaltigkeit und intelligente Oberflächen im Fokus
Wie verändern geopolitische Entwicklungen die industrielle Wertschöpfung? Welche Anforderungen stellen neue Regulierungen an Beschichtungen und Werkstoffe? Und wie lassen sich Oberflächen gezielt mit zusätzlichen Funktionen ausstatten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Smart Surface Summit 2026, der am 22. Oktober in Wiener Neustadt stattfand.
Die Veranstaltung brachte Expert:innen aus Industrie, Forschung und Wirtschaft zusammen, um aktuelle Herausforderungen und zukunftsweisende Entwicklungen im Bereich Oberflächen- und Beschichtungstechnologien zu diskutieren. Das Programm spannte einen Bogen von geopolitischen Rahmenbedingungen und sicherheitspolitischen Fragen über Brandschutz, Korrosionsschutz und nachhaltige Materialien bis hin zu funktionalen Partikeln und antimikrobiellen Oberflächen.
Geopolitik und Versorgungssicherheit: Europas industrielle Handlungsfähigkeit stärken
Den Auftakt bildete Brigadier i. R. Walter Feichtinger mit einem Vortrag über die geopolitische Lage und ihre Auswirkungen auf Österreich. Im Zentrum standen die zunehmenden Spannungen zwischen den Großmächten, die strategische Konkurrenz zwischen den USA und China sowie die Folgen des russischen Angriffskriegs auf Europa. Feichtinger verdeutlichte, dass geopolitische Entwicklungen unmittelbare Auswirkungen auf Lieferketten, Rohstoffverfügbarkeit, Preise und den Zugang zu internationalen Märkten haben.
Dabei stellte sich die Frage, wie Europa sein wirtschaftliches und technologisches Potenzial stärker nutzen kann, um seine Handlungsfähigkeit zu sichern. Auch die Bedeutung internationaler Handelsbeziehungen und die Rolle Europas in einer zunehmend von Machtinteressen geprägten Weltordnung wurden thematisiert.
Reinhard Marak von der WKO ARGE Sicherheit & Wirtschaft knüpfte daran an und beleuchtete die Neuausrichtung der Sicherheitspolitik und ihre Auswirkungen auf das Beschaffungswesen. Seine Ausführungen stellten etablierte Annahmen über Neutralität, internationale Beziehungen und wirtschaftliche Abhängigkeiten infrage. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist dabei, Beschaffung stärker mit Gegengeschäften und einem strategischen Nutzen für die heimische Wirtschaft zu verbinden.
Die beiden Beiträge machten deutlich: Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit sind nicht allein wirtschaftliche Fragen, sondern zunehmend auch Teil einer umfassenden Sicherheitsstrategie.
Regulierung und Brandschutz: Neue Anforderungen an Beschichtungen
Die Anforderungen an industrielle Beschichtungen werden zunehmend durch regulatorische Vorgaben wie die EU-Verpackungsverordnung (PPWR), Ökodesign und das Chemikalienrecht geprägt. Volker Thewes von Hensel Brandschutzsysteme zeigte, dass neben der technischen Leistungsfähigkeit auch Nachweisverfahren und Zulassungen entscheidend sind. Thomas Bernhofer von Synthomer unterstrich die Bedeutung von Brandschutzbeschichtungen für den Schutz von Menschen und kritischer Infrastruktur, während Roland Taitl von Kansai Helios auf die besonderen Sicherheitsanforderungen an Beschichtungen im Schienenverkehr einging.
Korrosionsschutz und innovative Oberflächen
Wie wichtig die Untersuchung von Materialien unter realen Einsatzbedingungen ist, zeigte Paul Linhardt von der TU Wien am Beispiel der Korrosion in Wasserkraftanlagen. In-situ-Messungen sollen helfen, Korrosionsprozesse im Süßwasser besser zu verstehen und Schutzmaßnahmen gezielter zu entwickeln. Weitere Beiträge widmeten sich der Verbesserung der Haftfestigkeit von Verbunden sowie der Lasersilikatisierung für anspruchsvolle Anwendungen, unter anderem im medizinischen Bereich.
Auch die gezielte Funktionalisierung von Beschichtungen stand im Fokus: Fasern können beispielsweise die Stabilität intumeszenter Brandschutzsysteme verbessern. Die Entwicklung funktionaler Partikel ermöglicht es wiederum, Eigenschaften wie die Reflexion von Infrarotstrahlung gezielt in Beschichtungen einzubringen. Ergänzend wurden antimikrobielle Oberflächen für den Gesundheitsbereich und geeignete Verfahren zur Prüfung ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit vorgestellt.
Nachhaltige Rohstoffe und neue Materialkonzepte
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf biobasierten Materialien und ressourcenschonenden Technologien. Vorgestellt wurden Terpene als Ausgangsstoffe für multifunktionale Bindemittel sowie Lignin für alternative Epoxidharzsysteme. Auch funktionale Dachbeschichtungen, die den Wärmeeintrag in Gebäude reduzieren können, zeigten das Potenzial innovativer Oberflächen für mehr Energieeffizienz.
Darüber hinaus wurde die Bedeutung elektrochemischer Verfahren für die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe hervorgehoben. Angesichts des steigenden Materialbedarfs für die Energiewende gewinnen Metallrecycling und die Rückgewinnung von Phosphor aus Abwasser zunehmend an Bedeutung.
Forschung und Industrie gemeinsam weiterdenken
Der Smart Surface Summit 2026 verdeutlichte, wie eng technologische Innovation, Nachhaltigkeit, Sicherheit und regulatorische Anforderungen miteinander verbunden sind. Die Beiträge zeigten, dass zukunftsfähige Oberflächen weit mehr leisten können als Schutz und Dekoration: Sie tragen zu Energieeffizienz, Langlebigkeit, Ressourcenschonung und Sicherheit bei.
Der Austausch zwischen Forschung und Industrie schafft wichtige Impulse, um neue Materialien und Beschichtungssysteme zu entwickeln und erfolgreich in die Anwendung zu bringen.

