4. KV-Runde der Chemieindustrie ohne Annäherung: Standort braucht Verantwortung statt Eskalation

Steigende Arbeitskosten gefährden Aufträge, Investitionen und 50.000 Arbeitsplätze

In der heute stattgefundenen vierten Verhandlungsrunde für den Kollektivvertrag der chemischen Industrie konnte vor dem Hintergrund der angespannten Branchenlage keine Einigung erzielt werden. Gerade in einer Phase steigender Lohn(stück)kosten und anhaltender Rezession gestaltet sich die Suche nach einem tragfähigen Abschluss besonders herausfordernd.

Hohe Energie- und Rohstoffkosten, schwache Nachfrage sowie geopolitische Unsicherheiten belasten die stark exportorientierte chemische Industrie weiterhin massiv. Zahlreiche Unternehmen befinden sich bereits im dritten Jahr in Folge in einem schwierigen Marktumfeld.

Besonders problematisch ist die Entwicklung der Arbeitskosten in Österreich. Auch die jüngsten Regierungspläne zur Senkung der Lohnnebenkosten zeigen, wie groß der Handlungsbedarf bei den Arbeitskosten ist. Es wäre widersprüchlich, den Standort einerseits entlasten zu wollen und andererseits durch hohe KV-Abschlüsse neue Belastungen aufzubauen. „Es bringt nichts, dem Standort mit der einen Hand Luft zu verschaffen und ihm mit der anderen diese sofort wieder abzuschnüren. Unsere Unternehmen brauchen jetzt Spielraum, damit Arbeitsplätze und industrielle Wertschöpfung in Österreich bleiben“, betont Arbeitgeber-Verhandlungsführer Ernst Gruber. Während zentrale Wettbewerberländer zuletzt zurückhaltendere Abschlüsse vereinbart haben, sind die Lohnstückkosten in Österreich im internationalen Vergleich zu hoch. Das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Standorte und erhöht das Risiko, dass Aufträge, Investitionen und Produktion ins Ausland verlagert werden.

„Wir sind keine Insel. Unsere Unternehmen stehen im direkten Wettbewerb mit Standorten in Deutschland und anderen europäischen Märkten. Wenn sich Österreich weiter verteuert, preisen wir uns aus dem Markt“, stellt Gruber klar. Die kollektivvertraglichen Abschlüsse in Österreich lagen seit 2020 kumuliert um rund 12 Prozent über jenen in Deutschland. Gerade Deutschland als wichtigster Absatzmarkt und zentraler Mitbewerber hat gezeigt, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verantwortungsvolle und tragfähige Abschlüsse möglich sind. Dieser Realität muss auch in Österreich Rechnung getragen werden.

„Niemandem ist geholfen, wenn heute überzogene Forderungen gefeiert werden und morgen  noch mehr Aufträge fehlen. Es braucht jetzt Verantwortung, Augenmaß und Lösungen, die Beschäftigung langfristig absichern“, so Gruber.

Die Verhandlungen werden am 8.Mai fortgesetzt.

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Kathrin Desch